Was dir niemand über die Selbstständigkeit sagt: Über die Einsamkeit, die dreidimensionale Erschöpfung und den Tod des Glücklichseins
- Bettina Fleiss
- vor 2 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Wenn man sich heute durch die digitale Welt klickt, sieht die Selbstständigkeit verdammt verlockend aus. Überall liest und sieht man von Erfolgskonzepten, perfekten Eröffnungen, stylischen Feeds und glücklichen Gründergesichtern. Es wirkt, als liefe bei allen anderen wie am Schnürchen. Der Blick auf die vermeintliche Konkurrenz kann in diesen Momenten regelrecht beängstigend sein – überall scheint es rosig zu sein, überall fließen die Umsätze.
Doch die Wahrheit ist: Der Vergleich ist der Tod des Glücklichseins.
Denn genau hinter diesen scheinbaren „Erfolgskonzepten“ blickt man oft nur wenige Monate später in gähnende Leere. Das Lokal, das gestern noch in den Stories gehypt wurde, steht plötzlich klammheimlich zur Verpachtung auf willhaben. Die Website ist offline. Und zurück bleibt die Frage: Warum? Wenn doch angeblich alles so toll lief?
Weil ein schöner Feed keine Miete zahlt und Likes keine Rechnungen begleichen.
Deshalb starte ich hier auf Fleiss & Freude eine neue Kategorie. Ein Raum für die ungeschminkte Wahrheit hinter den Kulissen. Denn die Selbstständigkeit – und ganz besonders die Gastronomie – ist kein Feld für Romantiker:innen und Champagner-Schlürfer:innen. Es gibt Facetten an diesem Leben, über die in der Glitzer-Social-Media-Welt konsequent geschwiegen wird.
Wenn die Türen schließen: Einsamkeit trifft auf totale Erschöpfung
Was dir nämlich niemand sagt, bevor du dich selbstständig machst, ist die Einsamkeit, die zurückbleibt, wenn die Türen geschlossen sind. Und mit dieser Einsamkeit kommt eine Erschöpfung, die dich auf jeder einzelnen Ebene deines Seins trifft.
Es ist eine körperliche Erschöpfung nach Stunden des Stehens, Rennens und Anpackens, bei der jeder Knochen wehtut. Es ist eine mentale Erschöpfung, eine lähmende Überforderung, die sich einstellt, wenn täglich 1.000 Entscheidungen von dir verlangt werden – und du jede einzelne von ihnen ganz alleine treffen musst. Und es ist eine emotionale Erschöpfung, weil du den ganzen Tag funktionierst, lächelst und gibst, bis der Akku komplett im Minus ist.

Da ist diese ganz spezifische Leere, die bleibt, wenn das Team und die Gäste zu ihren Familien nach Hause gegangen sind. Wenn es still wird im Raum und du alleine am Tisch sitzt, um mit brennenden Augen noch die Abrechnung zu machen. Dein Abendessen an solchen Tagen? Die Reste, die in der Küche übrig geblieben sind. Die To-Do-Liste für die nächsten Tage? Unendlich lang. Freizeit oder Urlaub fühlen sich an wie Fremdwörter aus einem anderen Leben. Stattdessen kreist im Kopf die existenzielle Frage, wie lange das mühsam Ersparte wohl noch reicht, um über die Runden zu kommen.
Das ist die wenig glamouröse Realität, die erdrückende Last der allumfassenden Verantwortung.
Am Anfang zählt jede Hand – und jedes Herz
Gerade in diesen dunklen Stunden, in denen die Erschöpfung dich erdrücken will, und in der harten Startphase eines Unternehmens wird einem eines ganz schnell klar: Jede noch so kleine Unterstützung ist nicht nur willkommen, sondern absolut überlebensnotwendig. Wer glaubt, er könne jede Last auf den eigenen Schultern tragen, brennt aus.
Man muss nicht alles alleine schaffen. Und genau das ist eines meiner größten und schönsten Learnings der letzten Zeit: Man darf Lasten teilen. Es gibt sie nämlich, die Menschen, die genau im richtigen Moment eingreifen. Ich nenne sie gerne „Engel“ – Menschen, die im harten Businessalltag anpacken, aber auch auf einer ganz anderen, übergeordneten Ebene wirken, wo Liebe die größte Kraft ist und gibt. Sie erfüllen mich mit dem tiefen Vertrauen, dass jeder Weg – mag er auch noch so steinig anmuten – bewältigbar ist.
Ein tiefes Danke an die Menschen an meiner Seite
Niemand geht diesen Weg allein. Und deshalb möchte ich den Start dieser neuen Kategorie nutzen, um mich bei all den wunderbaren Menschen zu bedanken, die mein Fundament sind und das Fundament von Fleiss & Freude mittragen.
An meine Partner und Lieferanten, die mich von Tag eins an gefördert haben: Ein riesiges Danke an Brent von Ratio Coffee – danke für deinen Support und den besten Kaffee, den man sich für diesen Weg wünschen kann. Danke an meinen Fischhändler des Vertrauens, Norbert Ecker von der Fischerei Ecker, für die kompromisslose Qualität und die verlässliche Partnerschaft. Ein großes Danke auch an das Team rund um Roland Hecht - mein Druckprofi im Haus und an Simona, meine großartige Ansprechpartnerin vom Salzburger Kunstverein, für das Vertrauen und die wunderbare Zusammenarbeit.
An meine kreative und treue Begleiterin: Danke an meine liebe Freundin und Fotografin Tina Wagner Berger. Du versorgst mich nicht nur mit diesen fantastischen Bildern, die diesen Blog zum Leben erwecken, sondern du hast immer ein offenes Ohr für mich und rettest mich regelmäßig mit deinem technischen Support, wenn ich selbst anstehe.
Und danke an meinen gesamten Seelen-Tribe & meine Wegbegleiter:innen: Ein riesiges, von Herzen kommendes Danke an meinen gesamten Seelen-Tribe. An all die Menschen, die mich inspirieren, die mich in tiefen Gesprächen spiegeln und mir Energie zurückgeben, wenn ich leer bin. Und danke an alle, von denen ich auf diesem Weg bisher lernen durfte – an meine Mentor:innen, Kritiker:innen und Ratgeber:innen. Jedes Learning, jede Lektion und jedes geteilte Wissen hat mich zu der Unternehmerin und Person gemacht, die ich heute bin.
Und mein tiefster, emotionalster Dank gilt meiner Familie und meinen engsten Freunden: Ihr seid seit Anbeginn an meiner Seite und fangt mich auf, wenn das Mühsal zu schwer wird und die Erschöpfung die Oberhand gewinnen will.
Danke, Mama. Danke, dass du mit mir bäckst, Einkäufe erledigst und mich einfach fest an dich drückst, wenn es wieder mal ganz schwer wird.
Danke, Papa. Du bist in all dem Trubel mein unersetzbarer Fels in der Brandung.
Danke an meine Tante, für deinen unermüdlichen Einsatz – die Zeit mit dir war etwas ganz Besonderes.
Ihr alle zeigt mir jeden Tag, dass die Einsamkeit und die Erschöpfung nicht das letzte Wort haben müssen. Danke, dass es euch gibt.






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